Wenn gemischt genutzter Raum nicht voll abziehbar ist

gemischt genutzter Raum

Viele Menschen arbeiten in einem Home-Office. Die Nutzung des Raumes für das Home-Office ist ausschlaggebend dafür, ob das Finanzamt die steuerliche Berücksichtigung dieses Arbeitszimmers möglich macht. Nach Ansicht des Bundesfinanzhofs ist nämlich neben einer büroartigen Einrichtung auch ausschlaggebend, ob der Raum ausschließlich oder nahezu ausschließlich beruflich genutzt wird.

Die Regelung dafür, wie die Kosten für ein Arbeitszimmer in Abzug gebracht werden können, existiert bereits über 20 Jahre. Seither existiert eine Beschränkung für diesen steuerlichen Abzug. Zwar wurde die Abzugsbeschränkung seit ihrer Einführung in kleinen Details mehrfach geändert, Voraussetzung war aber immer, dass der Raum ausschließlich oder nahezu ausschließlich beruflich genutzt wird.

Bis 2009 mussten sich die Steuerzahler mit der Abzugsbeschränkung abzufinden. Eine Entscheidung des Bundesfinanzhofs aus diesem Jahr besagte, dass die Ausgaben für eine teils beruflich und teils privat veranlasste Reise in einen abziehbaren und einen nicht abziehbaren Anteil aufteilbar sind. Aus der Begründung könnte man schließen, dass eine Aufteilung auch bei anderen teils beruflich und privat veranlassten Aufwendungen möglich ist. Und tatsächlich bestätigten mehrere Urteile, dass diese Vorgehensweise auch für andere Ausgaben möglich ist. Es dauerte daher auch nicht lange, dass sich die Finanzgerichte mit der Frage beschäftigen mussten, ob auch ein gemischt genutzter Raum zumindest anteilig bei den Werbungskosten oder Betriebsausgaben berücksichtigt werden kann.

Der Bundesfinanzhof bringt nun mit einem neuen Grundsatzurteil Klarheit und entschied gegen den Abzug. Man kam zu dem Ergebnis, dass der Begriff des häuslichen Arbeitszimmers voraussetzt, dass der jeweilige Raum ausschließlich oder nahezu ausschließlich für berufliche Zwecke genutzt wird. Ein „häusliches Arbeitszimmer” kann damit nur ein Raum sein, in dem Aktivitäten zur Erzielung von Einnahmen ausgeübt werden. Ein Raum, welcher zwar eine Büroeinrichtung hat, der aber in nennenswertem Umfang neben Büroarbeiten auch anderen Zwecken dient, sei kein Arbeitszimmer.

Dazu kommt, dass sich der Umfang der jeweiligen Nutzung nicht objektiv überprüfen lässt, weil die reine Behauptung eines Steuerzahlers über die Nutzung nicht nachvollziehbar ist. Selbst ein „Nutzungszeitenbuch” ist für den Bundesfinanzhof kein geeignetes Mittel dafür, die Nutzungszeiten nachzuweisen. Die darin getätigten Angaben besitzen keinen Beweiswert darüber, welche Art von Aktivität durchgeführt wurde. Anders wie z. B. beim Fahrtenbuch, wo es möglich ist, getätigte Angaben mit anderen Belegen und Daten zu vergleichen. Auch für eine Schätzung sieht der Bundesfinanzhof keine Anwendungsmöglichkeit.

Fazit: Arbeitszimmer dürfen ausschließlich beruflich genutzt werden. Ein gemischt genutzter Raum ist in vollem Umfang nicht steuerlich berücksichtigungsfähig. Auf andere gemischt veranlasste Aufwendungen, für die ein objektiver Aufteilungsmaßstab existiert, hat das Urteil aber keine Auswirkungen – diese sind weiterhin anteilig abziehbar.

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